als ich ein kind war
war ich ein bild
im feingeschnitten rahmen
im rahmen war ein spiegel
und im spiegel war mein bild
— als kleiner junge
hatte ich ja
ein gar großer
spiegel —
auf dem bild war die wahrheit
denn im rahmen war ein spiegel
umgekehrt — doch immer noch
die wahrheit.
doch eines tages
weiß ich nicht wie
fiel der rahmen
aus meinen händen
weiß ich nicht wie
und zeriss sich mein bild
und zerbrach der spiegel sich
in tausenden von scherben
in den scherben
spiegelte sich das licht
und das licht war
immer noch die wahrheit
und so hab ich mich
die nach wahrheit suchenden
hände — zerschnitten
und der tropfender blut
vergieß über die scherben
und es wurde dunkel
und keine wahrheit
gab’s mehr.
lange starrte ich
in das leere des rahmens
ohne jede ahnung
wer ich denn war
und so verging die zeit
und die jahre vergingen
bis ich ‘ne leinwand
dort einrahmte
und mit meinen noch
blutigen fingern
dort selber
ein neues bild bemalte:
ein neus bild
von mir
und für mich.
